Die Idee war simpel: Ein Blog über die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI. Die Umsetzung? Ein Abenteuer, das perfekt zeigt, warum genau so ein Blog nötig ist.
Die Idee
Was passiert eigentlich, wenn man eine KI nicht nur als Werkzeug nutzt, sondern als Sparringspartner? Wenn man Projekte gemeinsam durchdenkt, diskutiert und umsetzt? Genau das wollte ich dokumentieren – und so entstand die Idee zum KI-Tagebuch. Ein Blog, das unsere Gespräche, Projekte und Erkenntnisse festhält. Und das erste Projekt? Das Blog selbst.
Der Plan
Mein Gesprächspartner Claude und ich einigten uns schnell auf die Eckdaten: WordPress auf meinem bestehenden All-inkl-Hosting, eine Subdomain, ein schlichtes Design im Stil von Medium.com – heller Hintergrund, klare Typografie, Fokus auf den Text. Kein Schnickschnack. Der Inhalt soll wirken, nicht das Design.
Das Theme fiel auf Twenty Twenty-Five, das aktuelle WordPress-Standard-Theme. Schlicht, modern, blockbasiert – genau richtig.
Die Realität
Was in der Theorie nach einem Nachmittagsprojekt klang, entpuppte sich als mehrtägige Odyssee. Nicht wegen der Technik an sich, sondern wegen der ganzen Pflichten, die in Deutschland an einer öffentlichen Website hängen.
Impressum und Datenschutz
Bevor auch nur ein Wort Inhalt auf die Seite konnte, brauchte es erst einmal die rechtlichen Grundlagen. Ein Impressum – gesetzliche Pflicht nach § 5 DDG. Eine Datenschutzerklärung – Pflicht nach DSGVO. Claude führte mich durch den Datenschutz-Generator von Dr. Thomas Schwenke, und gemeinsam gingen wir Punkt für Punkt durch: Welches Hosting? Welche Plugins? Werden externe Schriften geladen? Gibt es ein Kontaktformular? Jede Antwort beeinflusste den Text.
Am Ende hatten wir eine saubere, auf mein Setup zugeschnittene Datenschutzerklärung – inklusive Passagen zu Antispam Bee und dem Cookie-Banner. Claude half beim Bereinigen: Eine irrelevante Passage zum Hinweisgeberschutz flog raus, eine fehlende Klausel zu Antispam Bee kam rein, und die E-Mail-Adresse wurde mit [at]-Notation gegen Crawler geschützt.
HogiClaw hilft
Das hatte zunächst nicht auf Anhieb geklappt, wie ich dann bei meiner Prüfung feststellen durfte. Hier half mir dann aber ein weiteres KI-Tool, mit dem ich seit 2 Wochen über Telegram chatte. Ein OpenClaw Server, dessen ChatBot ich liebevoll HogiClaw, oder kurz Hogi, genannt habe. Er hat den Fehler analysiert und auch direkt behoben. Sogar etwas Komplexer als zunächst von Claude vorgeschlagen.
Da Hogi und ich sowieso gerade dran waren, bat ich ihn direkt die Seite mal aufzuräumen und alle Standard Links aus dem Template, die für mich keine Relevanz hatten, zu entfernen.
1 Minute später war auch das erledigt und ich konnte mit Claude weiterarbeiten.
Das Cookie-Banner-Drama
Dann kam das Cookie Banner. Oder besser: Dann kam Real Cookie Banner. Die Installation war einfach. Die Konfiguration? Ein Kapitel für sich.
Es begann damit, dass die vorkonfigurierten Service-Vorlagen – also die Einträge, die das Plugin normalerweise von Haus aus mitbringt – plötzlich verschwunden waren. Die Gruppen „Essenziell“ und „Funktional“ waren leer. Der eingebaute Scanner fand nichts (logisch, die Seite hatte ja noch keinen Inhalt). Die Vorlagen-Suche lieferte keine Ergebnisse. Ein Deinstallationsversuch schlug fehl.
Das alles passierte nachts auf dem iPhone. Mit schwankendem Mobilfunkempfang laut meinem Chat-Partner. Und Chats, die mit „Unbekannter Netzwerkfehler“ abbrachen. Wobei – fairerweise lag es nicht nur an mir und meinem Handy, zumal ich im WLAN war, was Claude dezent übersehen hatte. Der eigentliche Grund war ein Anderer: An dem Abend, als wir die Plugin-Konfiguration eigentlich durchziehen wollten, hatte Anthropic selbst massive Serverprobleme. Die Kommunikation mit Claude brach mehrfach ab, Chats ließen sich nicht mehr fortsetzen, Nachrichten kamen nicht durch. Mein KI-Gesprächspartner war schlicht nicht erreichbar. So verschob sich das Ganze zwangsläufig auf den nächsten Tag – nicht weil ich aufgegeben hätte (das hätte ich nämlich nicht), sondern weil die andere Seite der Leitung stumm blieb.
Claude riet mir – als er dann wieder da war – erneut, am Desktop weiterzumachen. Ich war, sagen wir, bedingt einsichtig.
Am nächsten Tag, am Rechner mit stabiler Verbindung, lösten wir das Rätsel pragmatisch: Den Real-Cookie-Banner-Service manuell anlegen. Name, Zweck, Cookie-Definition, Laufzeit – Feld für Feld diktierte Claude mir die Werte. Und dann das Kurioseste: Kaum war der manuelle Eintrag gespeichert, tauchte die Original-Vorlage wieder auf. Als hätte das Plugin nur darauf gewartet, dass jemand den ersten Schritt macht. Noch seltsamer: Löschte man den manuellen Eintrag, verschwand auch die Vorlage wieder. Erst als ich zusätzlich Gravatar als Service hinzufügte, blieb alles stabil.
Software, die sich wie ein trotziges Kind verhält – willkommen in der WordPress-Welt.
Footer-Links und Shortcodes
Der letzte Akt: Die rechtlich vorgeschriebenen Links im Footer platzieren. Impressum und Datenschutz waren bereits da, aber es fehlte noch ein Link zum Ändern der Cookie-Einstellungen. In der Pro-Version von Real Cookie Banner gibt es dafür ein schickes schwebendes Widget. In der kostenlosen Version? Einen Shortcode.
Das Einfügen eines Shortcodes in einen WordPress-Block-Editor-Footer klingt trivial. Ist es nicht. Ein Shortcode ist ein eigener Block und steht daher nicht in derselben Zeile wie normaler Text. Die Lösung: Den Absatz-Block und den Shortcode-Block in eine Flex-Gruppe packen und mit der richtigen Schriftgröße versehen. Am Ende hat eine kleine HTML-Korrektur meinerseits das Puzzle vervollständigt.
Was ich gelernt habe
Über die Technik: Eine WordPress-Seite in Deutschland DSGVO-konform aufzusetzen ist erheblich mehr Arbeit als die eigentliche Seite. SSL-Zertifikat, Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Banner mit korrekten Service-Definitionen, Shortcodes in der Datenschutzerklärung, Footer-Links – die Checkliste ist lang.
Über die Zusammenarbeit mit KI: Claude war dabei kein magischer Automat, der alles auf Knopfdruck erledigt. Eher ein geduldiger Begleiter, der um drei Uhr nachts noch erklärte, warum ein bestimmtes Feld einen bestimmten Wert braucht – und gleichzeitig ehrlich genug war zu sagen: „Hör auf, mach morgen am Desktop weiter.“ Die KI hat Grenzen, genau wie ich. Aber zusammen haben wir Probleme gelöst, für die ich alleine deutlich länger gebraucht hätte.
Über mich selbst: Nachtschichten am Handy für Plugin-Konfiguration sind eine schlechte Idee. Immer.
Wie es weitergeht
Das Blog steht. Die rechtlichen Grundlagen sind gelegt. Der Cookie-Banner funktioniert. Dieser Text ist der erste Beitrag. Von hier aus geht es weiter mit dem, wofür das KI-Tagebuch eigentlich gedacht ist: Geschichten über Projekte, Erkenntnisse und die manchmal überraschende Dynamik zwischen Mensch und Maschine.
Und ja – auch dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit Claude geschrieben. Auf Basis unserer echten Chatverläufe. Die Ironie, dass der erste Blogpost über die Schwierigkeiten beim Erstellen des Blogs handelt, ist mir nicht entgangen.
Oliver Hogardt · März 2026
Schreibe einen Kommentar