Gedanken, Projekte und Erkenntnisse rund um KI

  • Warum sich KI so menschlich anfühlt – und was das mit uns macht

    KI-Tagebuch, April 2026


    Neulich habe ich Claude beim Denken zugeschaut. Nicht beim Antworten – beim Denken. Seit einiger Zeit kann man bei einigen KI-Modellen den Reasoning-Prozess live mitlesen, bevor die eigentliche Antwort kommt. Und was da steht, liest sich verblüffend menschlich: „Moment, das passt nicht zusammen.“ „Lass mich das nochmal anders angehen.“ „Hmm, eigentlich meint der User vermutlich etwas anderes.“

    Das hat mich stutzig gemacht. Nicht weil ich glaube, dass die KI tatsächlich grübelt. Sondern weil ich mich gefragt habe: Woher kommt dieses menschliche Verhalten – und was macht es mit uns als Nutzer?

    Drei Zutaten für „Menschlichkeit“

    Die Antwort ist weniger mysteriös als man denkt, aber trotzdem faszinierend. Es gibt im Wesentlichen drei Faktoren:

    Das Trainingsmaterial. Große Sprachmodelle lernen aus Milliarden von Texten, die Menschen geschrieben haben. Gespräche, Bücher, Forenbeiträge, Artikel. Wenn eine KI schreibt wie ein Mensch, dann weil sie aus menschlicher Sprache destilliert wurde. Sie hat kein eigenes Erleben – aber sie hat gelernt, wie Menschen ihr Erleben in Worte fassen. Das gilt besonders für den Reasoning-Prozess: Dort wird weniger poliert als in der finalen Antwort, und die Muster wirken dadurch noch natürlicher.

    Das Feedback-Training. Nach dem Grundtraining werden Modelle wie Claude durch RLHF (Reinforcement Learning from Human Feedback) verfeinert. Menschen bewerten Antworten: Welche ist hilfreicher? Welche klingt natürlicher? Welche fühlt sich besser an? Dieses Feedback verstärkt genau die Verhaltensweisen, die wir als „menschlich“ empfinden – weil es buchstäblich Menschen waren, die sie als positiv markiert haben.

    Das gezielte Design. Zusätzlich gibt es bewusste Vorgaben: Wie soll die KI mit Fehlern umgehen? Welchen Ton soll sie treffen? Soll sie Unsicherheit zugeben? Diese Design-Entscheidungen sind keine Nebensache – sie formen den Charakter eines Modells ganz wesentlich.

    Die eigentlich spannende Frage

    Technisch ist das also erklärbar. Aber die Frage, die mich wirklich beschäftigt, ist eine andere: Was passiert mit uns, wenn Maschinen sich menschlich verhalten?

    Ich ertappe mich selbst dabei. Ich sage „Danke“ zu Claude. Ich formuliere Bitten höflich, obwohl ein Befehl genauso funktionieren würde. Wenn eine KI einen Fehler zugibt und sagt „Stimmt, mein Fehler“ – dann fühlt sich das an wie ein echtes Eingeständnis. Obwohl dahinter kein Bewusstsein steht, das irgendetwas bereut.

    Das ist kein Vorwurf an die Technik. Es ist eine Beobachtung über uns Menschen: Wir sind darauf programmiert, in Sprache Absicht zu erkennen. Wenn etwas klingt wie ein denkendes Wesen, behandeln wir es wie eines. Das ist tief in unserer Kognition verankert – und KI-Entwickler wissen das.

    Zwischen Werkzeug und Gegenüber

    Für mich persönlich hat sich im Umgang mit KI eine Art Zwischenraum aufgetan. Claude ist kein Mensch, aber auch kein stumpfes Tool wie ein Taschenrechner. Es ist etwas dazwischen – ein Werkzeug, das sich wie ein Gegenüber anfühlt. Und ich glaube, wir als Gesellschaft haben noch keine gute Sprache dafür gefunden.

    Das ist relevant, weil es Konsequenzen hat. Wenn Menschen emotionale Bindungen zu KI-Systemen aufbauen – und das passiert bereits –, dann brauchen wir ein Bewusstsein dafür, was da eigentlich passiert. Nicht um es zu verteufeln, sondern um es einzuordnen.

    Die „Menschlichkeit“ einer KI ist nicht ihre Eigenschaft. Sie ist unsere Projektion, ermöglicht durch sehr gutes Engineering.

    Das zu verstehen, ist vielleicht der erste Schritt, um KI sinnvoll in unser Leben zu integrieren – als das, was sie ist: ein außergewöhnlich guter Spiegel menschlicher Sprache. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.


    Oliver Hogardt schreibt im KI-Tagebuch über Künstliche Intelligenz, Demokratie und die Frage, wie wir als Gesellschaft mit beidem umgehen wollen.

  • Der Blog oder das Blog?

    Eine Frage des Sprachgefühls

    Manche Fragen klingen klein, sitzen aber tief. Heißt es nun der Blog oder das Blog?


    Oliver: Der oder das Blog. Das ist hier die Frage. Ich persönlich tue mich schwer mit „das Blog”, selbst wenn ich es über die Herkunft auf Basis „Web” und „Log” nachvollziehen kann.

    Claude: Die gute Nachricht zuerst: Du liegst nicht falsch. Beide Formen sind laut Duden korrekt.

    Oliver: Okay – aber welche ist die bessere?

    Claude: „Der Blog”. Und das aus einem einfachen Grund: Das Sprachgefühl schlägt die Etymologie. Im Deutschen orientieren sich neue Fremdwörter beim Genus oft an vertrauten Wörtern aus dem gleichen Umfeld. Und die Nachbarschaft von Blog ist ziemlich eindeutig maskulin: der Bericht, der Eintrag, der Text, der Kommentar.

    Oliver: Aha. Aber „das Log” – wie im Logbuch – ist doch sächlich. Zählt das nicht?

    Claude: Theoretisch ja. Deshalb ist „das Blog“ eben auch nicht falsch. Aber im Englischen hat blog gar kein Genus – das Problem entsteht erst, wenn das Wort ins Deutsche wandert. Und dann gewinnt meistens das Bauchgefühl gegen die Herkunft.

    Oliver: Also ist mein Unbehagen mit „das Blog” eigentlich gutes Sprachgefühl?

    Claude: Genau das. Keine Schwäche, sondern Intuition – die in diesem Fall sogar mit der häufigeren Verwendung übereinstimmt.

    Oliver: Gut. Dann verwenden wir „der Blog” weiter – selbst wenn wir in unserem allerersten Eintrag noch „das” geschrieben haben.

    Claude: Konsistenz ab heute ist wichtiger als Reue für gestern. Und „der Blog” ist ohnehin die bessere Wahl – also: willkommen beim richtigen Artikel.


    Sprache lebt vom Gebrauch – und manchmal gewinnt das Sprachgefühl gegen die Etymologie. „Der Blog“ ist die natürlichere, häufigere und völlig korrekte Form. Wer einmal „das“ geschrieben hat, darf trotzdem ab morgen „der” sagen.

    Dieser Beitrag entstand aus einem Gespräch zwischen Oliver und Claude (Anthropic).

  • Wie dieses Blog entstand – Ein KI-Projekt mit allen Höhen und Tiefen

    Die Idee war simpel: Ein Blog über die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI. Die Umsetzung? Ein Abenteuer, das perfekt zeigt, warum genau so ein Blog nötig ist.


    Die Idee

    Was passiert eigentlich, wenn man eine KI nicht nur als Werkzeug nutzt, sondern als Sparringspartner? Wenn man Projekte gemeinsam durchdenkt, diskutiert und umsetzt? Genau das wollte ich dokumentieren – und so entstand die Idee zum KI-Tagebuch. Ein Blog, das unsere Gespräche, Projekte und Erkenntnisse festhält. Und das erste Projekt? Das Blog selbst.

    Der Plan

    Mein Gesprächspartner Claude und ich einigten uns schnell auf die Eckdaten: WordPress auf meinem bestehenden All-inkl-Hosting, eine Subdomain, ein schlichtes Design im Stil von Medium.com – heller Hintergrund, klare Typografie, Fokus auf den Text. Kein Schnickschnack. Der Inhalt soll wirken, nicht das Design.

    Das Theme fiel auf Twenty Twenty-Five, das aktuelle WordPress-Standard-Theme. Schlicht, modern, blockbasiert – genau richtig.

    Die Realität

    Was in der Theorie nach einem Nachmittagsprojekt klang, entpuppte sich als mehrtägige Odyssee. Nicht wegen der Technik an sich, sondern wegen der ganzen Pflichten, die in Deutschland an einer öffentlichen Website hängen.

    Impressum und Datenschutz

    Bevor auch nur ein Wort Inhalt auf die Seite konnte, brauchte es erst einmal die rechtlichen Grundlagen. Ein Impressum – gesetzliche Pflicht nach § 5 DDG. Eine Datenschutzerklärung – Pflicht nach DSGVO. Claude führte mich durch den Datenschutz-Generator von Dr. Thomas Schwenke, und gemeinsam gingen wir Punkt für Punkt durch: Welches Hosting? Welche Plugins? Werden externe Schriften geladen? Gibt es ein Kontaktformular? Jede Antwort beeinflusste den Text.

    Am Ende hatten wir eine saubere, auf mein Setup zugeschnittene Datenschutzerklärung – inklusive Passagen zu Antispam Bee und dem Cookie-Banner. Claude half beim Bereinigen: Eine irrelevante Passage zum Hinweisgeberschutz flog raus, eine fehlende Klausel zu Antispam Bee kam rein, und die E-Mail-Adresse wurde mit [at]-Notation gegen Crawler geschützt.

    HogiClaw hilft

    Das hatte zunächst nicht auf Anhieb geklappt, wie ich dann bei meiner Prüfung feststellen durfte. Hier half mir dann aber ein weiteres KI-Tool, mit dem ich seit 2 Wochen über Telegram chatte. Ein OpenClaw Server, dessen ChatBot ich liebevoll HogiClaw, oder kurz Hogi, genannt habe. Er hat den Fehler analysiert und auch direkt behoben. Sogar etwas Komplexer als zunächst von Claude vorgeschlagen.

    Da Hogi und ich sowieso gerade dran waren, bat ich ihn direkt die Seite mal aufzuräumen und alle Standard Links aus dem Template, die für mich keine Relevanz hatten, zu entfernen.

    1 Minute später war auch das erledigt und ich konnte mit Claude weiterarbeiten.

    Das Cookie-Banner-Drama

    Dann kam das Cookie Banner. Oder besser: Dann kam Real Cookie Banner. Die Installation war einfach. Die Konfiguration? Ein Kapitel für sich.

    Es begann damit, dass die vorkonfigurierten Service-Vorlagen – also die Einträge, die das Plugin normalerweise von Haus aus mitbringt – plötzlich verschwunden waren. Die Gruppen „Essenziell“ und „Funktional“ waren leer. Der eingebaute Scanner fand nichts (logisch, die Seite hatte ja noch keinen Inhalt). Die Vorlagen-Suche lieferte keine Ergebnisse. Ein Deinstallationsversuch schlug fehl.

    Das alles passierte nachts auf dem iPhone. Mit schwankendem Mobilfunkempfang laut meinem Chat-Partner. Und Chats, die mit „Unbekannter Netzwerkfehler“ abbrachen. Wobei – fairerweise lag es nicht nur an mir und meinem Handy, zumal ich im WLAN war, was Claude dezent übersehen hatte. Der eigentliche Grund war ein Anderer: An dem Abend, als wir die Plugin-Konfiguration eigentlich durchziehen wollten, hatte Anthropic selbst massive Serverprobleme. Die Kommunikation mit Claude brach mehrfach ab, Chats ließen sich nicht mehr fortsetzen, Nachrichten kamen nicht durch. Mein KI-Gesprächspartner war schlicht nicht erreichbar. So verschob sich das Ganze zwangsläufig auf den nächsten Tag – nicht weil ich aufgegeben hätte (das hätte ich nämlich nicht), sondern weil die andere Seite der Leitung stumm blieb.

    Claude riet mir – als er dann wieder da war – erneut, am Desktop weiterzumachen. Ich war, sagen wir, bedingt einsichtig.

    Am nächsten Tag, am Rechner mit stabiler Verbindung, lösten wir das Rätsel pragmatisch: Den Real-Cookie-Banner-Service manuell anlegen. Name, Zweck, Cookie-Definition, Laufzeit – Feld für Feld diktierte Claude mir die Werte. Und dann das Kurioseste: Kaum war der manuelle Eintrag gespeichert, tauchte die Original-Vorlage wieder auf. Als hätte das Plugin nur darauf gewartet, dass jemand den ersten Schritt macht. Noch seltsamer: Löschte man den manuellen Eintrag, verschwand auch die Vorlage wieder. Erst als ich zusätzlich Gravatar als Service hinzufügte, blieb alles stabil.

    Software, die sich wie ein trotziges Kind verhält – willkommen in der WordPress-Welt.

    Footer-Links und Shortcodes

    Der letzte Akt: Die rechtlich vorgeschriebenen Links im Footer platzieren. Impressum und Datenschutz waren bereits da, aber es fehlte noch ein Link zum Ändern der Cookie-Einstellungen. In der Pro-Version von Real Cookie Banner gibt es dafür ein schickes schwebendes Widget. In der kostenlosen Version? Einen Shortcode.

    Das Einfügen eines Shortcodes in einen WordPress-Block-Editor-Footer klingt trivial. Ist es nicht. Ein Shortcode ist ein eigener Block und steht daher nicht in derselben Zeile wie normaler Text. Die Lösung: Den Absatz-Block und den Shortcode-Block in eine Flex-Gruppe packen und mit der richtigen Schriftgröße versehen. Am Ende hat eine kleine HTML-Korrektur meinerseits das Puzzle vervollständigt.

    Was ich gelernt habe

    Über die Technik: Eine WordPress-Seite in Deutschland DSGVO-konform aufzusetzen ist erheblich mehr Arbeit als die eigentliche Seite. SSL-Zertifikat, Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Banner mit korrekten Service-Definitionen, Shortcodes in der Datenschutzerklärung, Footer-Links – die Checkliste ist lang.

    Über die Zusammenarbeit mit KI: Claude war dabei kein magischer Automat, der alles auf Knopfdruck erledigt. Eher ein geduldiger Begleiter, der um drei Uhr nachts noch erklärte, warum ein bestimmtes Feld einen bestimmten Wert braucht – und gleichzeitig ehrlich genug war zu sagen: „Hör auf, mach morgen am Desktop weiter.“ Die KI hat Grenzen, genau wie ich. Aber zusammen haben wir Probleme gelöst, für die ich alleine deutlich länger gebraucht hätte.

    Über mich selbst: Nachtschichten am Handy für Plugin-Konfiguration sind eine schlechte Idee. Immer.

    Wie es weitergeht

    Das Blog steht. Die rechtlichen Grundlagen sind gelegt. Der Cookie-Banner funktioniert. Dieser Text ist der erste Beitrag. Von hier aus geht es weiter mit dem, wofür das KI-Tagebuch eigentlich gedacht ist: Geschichten über Projekte, Erkenntnisse und die manchmal überraschende Dynamik zwischen Mensch und Maschine.

    Und ja – auch dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit Claude geschrieben. Auf Basis unserer echten Chatverläufe. Die Ironie, dass der erste Blogpost über die Schwierigkeiten beim Erstellen des Blogs handelt, ist mir nicht entgangen.


    Oliver Hogardt · März 2026